Die Geschichte des ÖTB Wien

Der ÖTB Wien versteht sich als Teil der Turnbewegung in der Tradition des Turnens nach Friedrich Ludwig Jahn. Seine ältesten Mitgliedsvereine sind mehr als 160 Jahre alt und waren seit ihrer Gründung organisatorisch in die Deutsche Turnerschaft eingebunden. Die Turnerei traf offensichtlich genau den Nerv der damaligen Zeit. In kürzester Zeit wurde aus den bescheidenen Anfängen auf dem ersten Turnplatz der Welt, wie der Hasenheide in Berlin, eine Massenbewegung: In ganz Deutschland entstanden Turnplätze, die Urformen der bis heute verwendeten Turngeräte wurden entwickelt und Jahn wurde als „Turnvater“ zur charismatischen Führungsfigur, der nicht nur eine eigene Turnsprache mit zahllosen Fachbegriffen entwickelte, sondern auch Verhaltensregeln für den Turnplatz und den Umgang der Turner:innen miteinander entwickelte und damit das Wesen der Turnbewegung entscheidend prägte.

Die Geschichte des Turnens ist geprägt von dem Wunsch des gemeinschaftlichen Turnens und dem Abbau von gesellschaftlichen Schranken sowie den politischen Ereignissen im Nationalsozialismus, welche die Gesellschaft und somit auch die Turnerschaften zwang sich immer wieder neu zu organisieren.

Nachfolgend wird die Geschichte des ÖTB-Wien sowie die Entwicklung der Turnbewegung in Österreich in Zeit Linien dargestellt.


ÖTB-Wien Geschichte

1998

Österreichischer Turnerbund Wien

Namensumbenennung von “Wiener Turngau” auf Österreichischer Turnerbund Wien mit der Kurzbezeichnung “ÖTB Wien”.

1998
seit 1975

Jugendbergturnfest

findet seit 1975 am Bisamberg statt, einem Ort der legendären Bergturnfeste in der Zwischenkriegszeit .

seit 1975
1976

Zurückgewinnung von Vermögenswerten

Seit der Wiedergründung der Turnvereine wurden schwierige Verhandlungen geführt, um die durch den Staat entzogen Vermögenswerte zurückzugewinnen. Dazu gehören z.B. auch Liegenschaften, die seit her wieder im Besitz der jeweiligen Vereine sind.

1976
1963

“Wiener Turngau”

Umbenennung des “Turnverband Wien” in “Wiener Turngau”.

1963
1961

Geschäftsstelle in Ferdinandstraße

das Geschäftslokal in der Ferdinandstraße 26 dient als Geschäftsstelle und wird 1962 als “Gaukanzlei” in Betriebgenommen.

1961
seit 1953

Bergturnfest

welches jährlich zunächst am Roppersberg, später auf der Seewiese und seit 1971 jährlich in Wildegg-Sittendorf veranstaltet wird.

seit 1953
1953

30 Vereine im Turnerbund

aus historischen Gründen gehören auch einige Vereine aus dem Wiener Umland zum ÖTB Wien (Kolsterneuburg, Langenzersdorf, früher auch Schwechat).

1953
1952 (Oktober)

“Allgemeiner Turnerbund Wien”

am 12. Oktober fand der 1. Verbandsturntag des “Allgemeinen Turnerbundes Wien” statt. Er umfasste die inzwischen gegründeten 15 Wiener Turnvereine, die im Zuge der Verbandsgründung auch den Beitritt zum ÖTB vollzogen.

1952 (Oktober)

Turnbewegung in Österreich bis ÖTB Gründung 1952

1952 (Mai)

Gründung des ÖTB

Nach dem 2. Weltkrieg und den Nachkriegswirren kam es zur Gründung des “Österreichischen Turnerbunds” (ÖTB), in dem sich die meisten Turnvereine des ehemaligen Turnerbundes zusammenfanden. Der ÖTB wiederum gliederte sich in sieben Landesverbände bzw. Turngaue. Es gibt keine ÖTB-Vereine im Burgenland. Die Vorarlberger Turnvereine haben sich zur Vorarlberger Turnerschaft zusammengeschlossen.

1952 (Mai)
1934

staatliche Verwaltung der Vereine

Als Folge des gescheiterten Juliputschs wurde der gesamte Deutsche Turnerbund unter staatliche Verwaltung gestellt.

1934
ab den 1920er Jahre

Auflösung zahlreicher Vereine

in den 20er Jahren gewannen nationalsozialistische Strömungen Boden in den Turnvereinen, welche 1933 eine Auflösung zahlreicher Turnvereine.

ab den 1920er Jahre
1930er Jahre

Zugewinn an Mitgliedern

zu Beginn der 1930er Jahre zählte der deutsche Turnerbund mehr als 100.000 Mitglieder

1930er Jahre
1889

einheitliche Bewegung in Österreich zerfällt

die Vereine werden dem national orientierten “Deutschen Turnerbund”, der katholischen “Christlich-Deutsche Turnerschaft” und die dem sozialistischen sozialdemokratischen Lager zugeordneten Turner der Arbeitervereine zugeordnet.

1889
ab 1889

Gründung jüdischer Vereine

durch den Ausschluss jüdischer Turner:innen aus den deutschen Turnvereinen kam es zu Neugründungen.

ab 1889
ab 1861

Gründung der ersten Vereine

wie den “Ersten Wiener Turnverein” (1861) und zahlreiche andere Vereine.

ab 1861
1820 bis 1848 (in Deutschland) und bis in die 1860er Jahren in Österreich

“Turnsperre”

durch das streben nach einem Abbau gesellschaftlicher Schranken durch die Turnbewegung entstanden schwere Konflikte mit der reaktionären Regierung der deutschen Staaten, welche in eine Jahrzehnte lange “Turnsperre” mündete.

1820 bis 1848 (in Deutschland) und bis in die 1860er Jahren in Österreich
ab 1811

Turnbewegung “Jahn‘sches Turnen”

der Ursprung der Turnbewegung entstand im Umfeld der Befreiungskriege gegen Napoleon, als Motor der demokratischen und nationalen Strömungen im gesamten deutschen Sprach- und Kulturraum. Entstehung einer Gemeinschaft, nach Jahns Vorstellung, in der sich Bürger:innen aller Gesellschaftsschichten auf “Augenhöhe” begegnen.

ab 1811

Quelle: Zusammentragung des ÖTB-Wien