Gebetsmühlenartig wiederholen Werbeleute und Mediengurus
: deutsch ist zu langatmig, nicht kurz genug, vielfach gäbe es keine treffende
deutsche Entsprechung für englische Begriffe.
Der uneingestandene Hintergrund für derartige Bemerkungen ist der Jahrzehnte
verinnerlichte Glauben an die amerikanische Überlegenheit in allen Bereichen des
Lebens und der unbewusste oder ganz bewusste Wunsch es den Amerikanern gleich zu
tun.
Ein Verlust an Selbstbewußtsein und Vertrauen in die eigene Sprache ist die
Folge.
Wer mit der eigenen Sprache schöpferisch und spielerisch
umgeht, wird treffende, kurze, neue Begriffe für nahezu jeden Anglizismus
finden.
Ob diese sich durchsetzen, das wird die Zeit lehren.
Als Ende des 19. Jahrhunderts Trottoir, Gouvernal und Lavoir durch Gehsteig,
Lenkrad und Waschschüssel ersetzt wurden, waren das ganz unübliche neue deutsche
Worte. Und sie haben sich durchgesetzt.
Nicht durchgesetzt haben sich meiner Meinung nach so schöne deutsche Worte wie
Zeitweiser für den lateinischen Kalender, Schaubühne für das griechische Theater
oder auch so schreckliche wie Windloch für das lateinische Fenster.
Es gibt keine Vorhersage, was sich schließlich durchsetzt und was nicht.
Gerade diese Tatsache aber fordert Sprachbewusste heraus, schöpferisch tätig zu
werden.
Vergleichsweise einfach ist es, das in Mode gekommene „urlange“ attachment durch
Beilage oder Anlage ( 10 gegen 6 Buchstaben) zu ersetzen.
Auch „herunterladen“ oder einfach „laden“ anstelle des haarstäubenden
„downloaden“ und seiner Bastard-Form „downgeloadet“ gehört in diese „Unterliga“
der hohen Kunst des treffsicheren Deutsch anstelle unnötiger Anglizismen.
Die „Oberliga“ sind Ideen, wie „Silberscheibe“ statt CD-ROM. Ein schöner am
äußeren Erscheinungsbild orientierter Begriff.
Aber auch Peinlichkeiten kommen vor.
Wer um jeden Preis 1 : 1 – Übersetzung versucht, der „erfindet“ so Totgeburten
wie „Heimatseite“ statt homepage. Da ist Leitseite ein einfacher, klarer und
allgemein verständlicher Begriff für die Anfangsseite im Internetz, die durch
deren Inhalt leitet.
So gibt’s es viele Beispiele für den sinnvollen Ersatz gängiger Anglizismen.
Vertrauen wir auf die Kraft unsere Muttersprache.
Gehen wir durchaus spielerisch und experimentell mit ihr um. Damit tragen wir zu
ihrer Entwicklung und Anpassung an die Gegenwart bei und schaffen Möglichkeiten
für ihre Zukunft.
Vor allem aber ist eines wichtig : Bewußtsein schaffen für die vielen
Möglichkeiten unserer Sprache. Bewusstsein aber auch dafür, daß ein Kauderwelsch
aus englischen und deutschen Brocken zumindest Schlamperei und
Gedankenlosigkeit, wenn nicht eine von „One-World-Aposteln“ herbeigeführte
Kulturschande ist.
Sprache hat etwas mit der eigenen Persönlichkeit, mit der eigenen kulturellen
Identität zu tun.
Das bewusst zu machen ist wesentlich.
O.Univ.Prof. Dr .Werner Pfannhauser