Jahn wörtlich - Landsmannschaftsucht

„Alle Leiden, die seit dem Gedenken der Geschichte Deutschland betroffen haben, sind aus der Landsmannschaftsucht und Völkleinerei entsprungen.

Dadurch wurden immer die Deutschen entzweit, einsiedlerisch voneinander geschieden, mit Dünkel erfüllt und die gemeine Sache ward fast nie zur allgemeinen begonnen und vollführt.“

Friedrich Ludwig Jahn : Deutsches Volkstum, Kapitel III – Einheit des Staats und Volks, Abschnitt 11 – Landsmannschaftsucht und Völkleinerei S64.
E. Naumanns Druckerei, Frankfurt a. M., 1810

Jahn trat in seiner Zeit an den Universitäten nachdrücklich und wortgewaltig gegen die Kleinstaaterei und die Abkapselung in Landsmannschaften, die einander bekriegten auf.
Partikularismus in den dutzenden Kleinstaaten spiegelte sich in der Zerrissenheit des Volkes wieder.
Die Gründung der Deutschen Burschenschaften entsprang der Absicht die Zersplitterung in Landmannschaften zu überwinden.
Jahn gibt in diesem Abschnitt Beispiele von Hermann dem Cherusker über Welfen und Staufen bis in seine Gegenwart belegt er die „deutsche Zwietracht“.
Das meint Jahn mit dem Begriff der „Völkleinerei“ – in ihm sind „klein“ und „Volk“ verwoben zum Partikularismus.
Er nennt diese Landsmannschannschaftssucht ein Schilda, dessen Verkehrtheit man durchschauen möge.

 


F. L. Jahn – Büste in der Walhalla, Ruhmeshalle, Regensburg

Und heute?

Ist Egoismus und Partikularismus überwunden?
Nein.
Vereinsegoismus zerstört Verbände, Parteienegoismus kann Staaten schädigen.
Wer nicht über den Tellerrand sehen kann oder will, der zerstört die größere Einheit.

Gilt da nicht ähnliches, wenn besondere „Patrioten“ die österreichische Eigenständigkeit durch Sahne statt Obers oder Kartoffel statt Erdäpfel bedroht sehen, aber die massive Überflutung unserer Muttersprache mit Anglizismen nicht wahrnehmen wollen.

Es ist das Grundgesetz der Evolution in der Natur, dass sich von unten nach oben immer höhere Organisationsformen bilden.

O.Univ.Prof. Dr .Werner Pfannhauser

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