Denglisch, Engleutsch oder was?

Wohin man hört oder sieht : das Kauderwelsch einer mit englischen Brocken verunstalteten deutschen Sprache springt uns aus allen Ecken an.
Ob es die ORF – Nachrichten sind, die neuerdings „Newsflash“ heißen, in denen von „standing ovations“ für scheidende Abgeordnete berichtet wird, ein Reporter sagt, daß er „die Location wechseln“ würde oder ob es die Ankündigungen des Ausverkaufs mit „Sale“ im Kaufhaus nebenan ist, was sind wir doch „modern“ und „multikulturell“.

Der Steirische Verbund bietet statt Karten Tickets und statt eines Faltblattes oder Falters einen Folder an. Natürlich sagen wir „Kä—Force“ wenn die K(osovo)-Truppe gemeint ist und gehen zum „Saturday Meeting unserer Company“.

Kürzlich entschuldigte sich eine Kollegin damit, dass sie ihren Vortrag vor einem 100% deutsch sprechenden Publikum in englisch hält, daß die Konzernsprache eben englisch sei.

Die Gründe für diese überhand nehmende Flut von Anglizismen sind vielschichtig.
Einer der vorgeschobenen Gründe ist der Ruf der Knappheit.
Nun ist Ticket kaum kürzer als Karte und Location doppelt so lang wie Ort.
Daran kanns nicht alleine liegen.

Englisch ist modern, zeigt Bildung und Internationalität, wird dagegen gehalten.

Nun, bei Bildung stocke ich schon : das beliebte Handy heißt im englischen Mobil(phone). Handy kennt kein Englischsprechender.
Das „Happy End“ gibt’s nur in der „deutschen“ Sprache, richtig heißt es „happy ending“.
Internationalität : zumeist ein Übertunchen von eigenen, oft unterbewussten, aufgezwungenen Minderwertigkeitskomplexen.

Wir haben „verinnerlicht“, dass alles englische gut, überlegen ist und alles deutsche hart am Rechtsextremen liegt. Political Correctness pur !

Da liegt der Hase nämlich im Pfeffer. Sind wir noch überzeugt eine Kultursprache zu sprechen ?
Oder verstecken wir uns hinter gräßlichem Pidgin – Denglisch, um nicht als Deutschsprechender identifiziert zu werden ?
Kulturelles und sprachliches Selbstbewußtsein wird nur durch Bewußtmachen dieser Widersprüche erzeugt.

Daher ist es nützlich, dem Grazer Bäcker, der Rechnungszettel mit der Kopfzeile „Thank you – Your receipt“ ausgibt, zu fragen, ob er nur auf Englische Kunden Wert legt. Den biederen Gärtner in Grambach zu fragen, was denn „Gardens“ auf seinem Firmenschild soll.

Bürgerlicher Widerstand gegen diese Abwertung unserer Sprache hat zu zahlreichen „neuen“ Sprachvereinen geführt.
Diese unterscheiden sich von den „klassischen“ und ehrwürdigen Vereinen mit Gründungsdatum in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts dadurch, daß sie gezielt die Anglizismenflut bekämpfen. Sie wollen ohne Purismus und Ausschließlichkeitsanspruch ihre Sprache vor dem Übermaß an englischen Floskeln schützen.

Und noch eines : diese neuen Gruppierungen sind europäisch tätig und vernetzt. Die Probleme, die wir in unserer deutschen Sprache haben, haben unsere Nachbarsprachen mehr oder weniger ebenso.
Ausschlaggebend wird sein, Bewußtsein für Sprachschutz zu schaffen und alle zum schöpferischen Umgang mit unserer Sprache aufzufordern, um treffende deutsche Worte für Anglizismen zu finden.

Auch das ist – aber eben gesundes – Leben einer Sprache.

O.Univ.Prof. Dr. Werner Pfannhauser

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